Category — Höhlentauchgang

Kreislaufgerät beim Höhlentauchen

Die Meisten von euch werden jetzt wahrscheinlich denken, dass ich etwas über die tiefen Höhlen in Yucatan, über The PIT oder vielleicht The Blue Abyss schreibe. Aber Kreislaufgeräte sind nicht nur für das Tieftauchen geeignet sondern durchaus auch für die relative flachen Höhlen hier in der Riviera Maya.

Generell taucht man in die Höhle bis ein drittel des Gas Volumens verbraucht ist und dreht dann um. Wenn man bedenkt, dass viele Höhlensysteme hier mehrere Kilometer lang sind kann es einige Zeit dauern bis man ein System besser kennt. Die Höhlen hier sind wie ein Schweizer Käse mit vielen verschiedenen Gängen und Tunneln. Wenn man einen guten Überblick bekommen will hat man “offen” nur ein paar verschiedene Möglichkeiten, entweder macht man mehrer Tauchgänge, verwendet einen Scooter oder berechnet die drittel Regel neu für jeden Seitenarm der Höhle. Egal für was man sich entscheidet, wenn man “offen” taucht läuft die Zeit gegen einen. Oft kommt man zu einem traumhaft dekorierten Raum und hat keine Zeit ihn zu bewundern da man zum Umdrehen gezwungen wird.

Howard with his Optima in Grand Cenote

Howard mit seinem Optima in der Grand Cenote

Der Vorteil des Kreislaufgerätes ist dabei, dass, so lange man innerhalb seines Bail Out Radius bleibt, man von Leine zu Leine springen kann wie es einem gefällt. Der Bail Out Radius wird dabei vom Gasverbrauch und Bail Out Gas Menge bestimmt.

Angenommen die Höhle ist maximal 12m tief und der Taucher hat einen Gasverbrauch von 20 Litern die Minute ist sein Bail Out Radius ca 50min. Oder man kann auch die Distanz verwenden. Der Taucher schwimmt in seiner Ausrüstung ca. 15m pro Minute also darf er nie weiter von einem Ausgang entfernt sein als 750m. Alle Werte kann man individuell auf jeden Taucher und jeden Tauchgang abstimmen und gegebenenfalls Konservativer sein. Taucht man im Team bestimmt der Taucher mit den höchsten Werten die Grenzen des Tauchgangs.

CCR diver behind columns in Nohoch

Taucher mit Kreislaufgerät in Nohoch

Auch wenn man zum Beispiel in einem Teil der Höhle mehr Zeit verbringen will um zu Fotografieren oder einfach nur die Formationen zu bewundern hat man durch das Kreislaufgerät die Möglichkeit dies zu tun ohne jemals Zeitdruck zu verspühren.

Ich bin gerade dabei einen Rebreather Taucher hier in den Höhlen zu führen und stelle jeden Tag aufs Neue fest welche tollen Möglichkeiten man hat.

Am ersten Tag waren wir in Ponderosa und sind dort Stromaufwärts getaucht. Unser Bail Out Radius war 40min, also sind wir einfach dem Hauptseil entlang getaucht und haben nach 40min umgedreht. Anstatt dann aber zurück zum Ausgang zu tauchen so wie wir das tun würden wenn wir offen unterwegs wären, haben wir zuerst den Sprung nach rechts am Orangen Pfeil gemacht. Sind diesem Seil gefolgt bis zum T am T nach links dann wieder umgedreht zurück zum T dann T nach rechts da wieder umgedreht zurück zum Hauptseil dann den Sprung nach rechts bis zum T und so weiter und so weiter. Durch die Kreislaufgeräte hatten wir eben die Möglichkeit uns so gut wie ALLE verschiedenen Seile dieser Region an zu schauen und dabei aber immer noch die Zeit haben mal wo länger zu bleiben für Fotos oder einfach nur zum staunen.

Am nächsten Tag ging’s nach Taj Maha wo wir zuerst dem Grottenseil gefolgt sind und nachher den Sprung gerade aus gemacht haben Richtung Chinese Garden. Wir sind hoch bis zum “Wasserfall” getaucht, haben uns dann den Loop angeschaut, dann weiter zu Steves Loft dann runter Chinese Garden zurück zum Sprung und dann nach rechts und den alternativen Tunnel hoch. Ein traumhafter Tauchgang indem wir uns jede einzelne Leine dieser Region angeschaut haben.

Patrick mit dem KISS Rebreather

Patrick mit dem KISS Rebreather

Am Samstag waren wir dann in Nohoch Nah Chich dass mit seiner maximalen Tiefe von 6m uns einen fast endlosen Bail Out Radius ermöglicht hat. Der Spielplan war wieder der Gleiche, ein Seil entlang tauchen bis zum Umkehrpunkt und dann beim raustauchen alle Möglichen Sprünge nach rechts und links machen. Ich habe somit viel besser die Möglichkeit mehrer Highlights in nur einem Tauchgang zu bestaunen anstatt mich immer für etwas entscheiden zu müssen.

Sonntag haben wir pausiert und heute waren wir in der Grand Cenote nahe Tulum. Auch hier haben wir was ich normalerweise in 3 bis 4 Tauchgängen machen würde in einem gemacht. Wir sahen die ganze Cuza Nah Schleife inklusive dem Sprung in der Mitte dem wir gefolgt sind bis es für die Rebreather zu eng wird tauchten hoch zu Paso de Largato und Much’s Maze, die Abkürzung am Hauptseil und so weiter.

Morgen geht’s ab nach Aktun Ha was auch als Carwash bekannt ist. Ich freu mich schon sehr darauf den Bail Out Radius von Luke’s Hope neu zu berechnen und dann super viel Zeit im Room of Tears zu verbringen und hinten die ganzen Ts ab zu tauchen.

Howard mit einem Dive Rite Optima

Howard mit einem Dive Rite Optima

Natürlich kommt das alles nicht ohne ein paar Nachteile. Wie alle Rebreather Taucher wissen ist es nicht so einfach eine gute Tarierung mit dem Kreislaufgerät zu haben und wenn man nur Zentimeter über einem mit feinen Sedimenten uebersäten Boden schwebt, kann das schon schwierig werden. Weiters sind die meisten Kreislaufgeräte durch die umgedrehten Flaschen relative schwer an der Hüfte was sich sehr stark auf die Position im Wasser auswirkt. Mit anderen Worten ist es schwieriger mit dem Körper horizontal, parallel zum Boden, zu tauchen.

Auch an das Sägezahnprofil der meisten Höhlen hier muss man sich erst mal gewöhnen.

Alles in allem bin ich aber der Meinung dass man mit einem Kreislaufgerät hier in der Riviera Maya auf jeden Fall auch in den flachen Höhlen tolle Möglichkeiten hat und zusammen mit den tieferen Höhlen auf jeden Fall das volle Potenzial dieser Maschinen ausnutzen kann.

Keep your mind open

And your loop closed

Patrick

May 26, 2009   2 Comments

Sidemount Scooter Höhlentauchgang in Grand Cenote

Letzten Sonntag machte ich mich auf mit Hans, meinem Tauchpartner, um den Jump Richtung Cenote Pabilani zu suchen. Unsere Ausrüstung bestand aus drei 12ltr Flaschen, einer 5ltr Flasche und einem Scooter.

Nachdem wir all die Ausrüstung an und verstaut hatten gingen wir noch einmal den Tauchplan durch und ab ging’s.

Zuerst der Grottenleine entlang bis zum Warnzeichen und dort den Jump zur permanenten Höhlenleine. Grand Cenote ist eine wunderschön dekorierte Höhle und der Haupteingang zum Zweitgrößten Unterwasserhöhlensystem der Welt namens Sac Actun (Weiße Höhle) und der Name ist Programm.

Mit dem Scooter ging es bis zum Jump zu Paso de Largato und dann weiter zum Jump Richtung Lithium Sunset. Eine absolut traumhafte Strecke mit vielen Ups und Downs und Richtungsänderungen. An manchen Stellen wird es jedoch ein wenig enger und es empfiehlt sich den Scooter zu schwimmen. Generell fahre ich in diesem Abschnitt eh etwas langsamer, einfach um die wunderschöne Höhle besser genießen zu können.

Am “T” wo es runter geht zum Lithium Sunset dreht man dann nach rechts Richtung Norden ungefähr 100M und dann nach einer weiteren 90° rechts Kurve ist der unmarkierte Jump nach links Richtungen Cenote Pabilani. Kurz nach dem Jump geht’s durch eine ziemliche niedrige Bedding Plane wo der Abstand zwischen Decke und Boden gerade Mal einen Meter ausmacht. Die Passage hat jedoch wenige Sedimente am Boden und dadurch ist es relative einfach zu bewältigen. Danach schwimmt man durch einen absolut traumhaften Teil dieser Höhle und ganz ehrlich gesagt ab jetzt mein neuer Lieblingstunnel in Sac Actun. Die Decke ist übersät mit Tropfsteinen, die wie kleine Vorhänge herunterhängen und ein Stückchen weiter kommt man dann an hellbraunen Stalaktiten vorbei. Die sind knappe 1,5m lang und mit dem hell weißen Hintergrund sind sie ein definitives Highlight dieses Tauchgangs.

Der generelle Trend der Höhle hier ist Richtung Westen und es gibt einige Jumps rauf in den Norden, die ich bis jetzt noch nicht betaucht habe. Mit Ausnahme der Bedding Plane am Beginn des Seils ist dieser Abschnitt der Höhle auf jeden Fall für den Scooter geeignet. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, das nächste Mal nicht die Abkürzung über Lithium Sunset zu benützen, wo wir die Scooter nach 20min ablegen müssen weil der Tunnel zu klein wird, sondern den ganzen Weg außen rum zu fahren. An Bosh Chen und Calimba weiter und dann runter Richtung Süden an dem Jump zu First Hope und Cenote Azteca vorbei.

Alles in Allem ist das zwar um einiges weiter (ca. 250-400m) aber es sollte definitive einfacher sein mit den Scootern durchzufahren. Um den Tauchgang etwas bequemer zu machen werden wir auf jeden Fall einen Tag zuvor ein paar Depot Flaschen auf dem Weg ablegen, damit wir nicht so beladen sind.

Alle Exkursionen in diese Region bieten eine tolle Möglichkeit Erfahrung im scootern und sidemounten zu sammeln und das ganze technisch nicht zu schwierig, aber dafür mit vielen traumhaften Dekorationen. Die maximal Tiefe von 15m und die Verwendung von Nitrox geben dazu noch den Vorteil von nahezu endlosen Nullzeiten.

Nach 140min waren wir wieder zurück am Ausgang und nun blieb uns nur noch das ganze “Gerödel” wieder über die unzähligen Treppen hoch zu meinem Pick Up Truck zu schleppen. Dafür belohnten wir uns auf dem nach Hause weg noch mit Eiscreme in Puerto Aventuras.

Alles in allem ein traumhafter Tag mit einem tollen sehr abwechslungsreichen Tauchgang und neuen Ideen für zukünftige, längere Tauchgänge und hoffentlich bald einer erfolgreichen Traverse zu Cenote Pabilani.

Für Wegbeschreibungen, Stikmaps oder geführten Tauchgängen schaut doch einfach bei uns im Laden vorbei oder meldet euch via E-Mail.

Gut Luft,

Patrick

April 10, 2009   4 Comments